Absatz von Naturdärmen steigt weiter

Wurstwaren in Europa und Asien stark nachgefragt
Die positive Entwicklung des Naturdarm-Handels setzte sich 2011 fort: Mit einem Gesamtaußenhandelsumsatz von 882 Millionen Euro wurde das Vorjahresergebnis um 19 Prozent gesteigert.

Sowohl beim Import als auch beim Export blickt die Naturdarm-Branche auf ein erfolgreiches Vorjahr zurück. Teurer werdende Rohstoffe und abnehmende Schlachtbestände konnten das Resultat nicht trüben. Für das gute Ergebnis ist unter anderem die große Nachfrage nach Därmen in den EU-Ländern und Asien verantwortlich. Die Preise für Schafs-, Schweine- und Rinderdärme entwickelten sich 2011 unterschiedlich.

Export legt weiter zu
Mit einer Exportmenge von 107.354 Tonnen konnte der Naturdarm-Handel die Ergebnisse des Vorjahres um 13,2 Prozent übertreffen. Der Exportwert beläuft sich auf 397 Millionen Euro, das entspricht einer Zunahme von knapp 18 Prozent. Der gestiegene Wert ist zum einen durch angestiegene Rohstoffpreise bedingt, zum anderen ist er auf ein höheres Exportvolumen im Vergleich zu 2010 zurückzuführen.

Die wichtigsten Handelspartner sind die EU-Länder. So wurden im abgelaufenen Geschäftsjahr 71.060 Tonnen in die Europäische Union exportiert, der Umsatz betrug 284 Millionen Euro. Damit haben Ausfuhrmenge und -wert um 12 bzw. 22,4 Prozent zugenommen. Bedingt durch ihre Bedeutung als Transitland, nahmen die Niederlande erneut den Spitzenplatz mit 18.428 Tonnen ein. Polen folgte auf Platz zwei (12.711 Tonnen) – hier findet vor allem Veredelungsarbeit statt. Darüber hinaus werden Wurstwaren in Polen zunehmend beliebter und damit einhergehend steigt die Nachfrage nach Naturdärmen. Diese Entwicklung ist in Osteuropa generell zu beobachten, allen voran in Tschechien, Ungarn und Bulgarien.

Der Export nach Frankreich konnte im letzten Jahr um 34,8 Prozent kräftig zulegen. Im Jahr zuvor wurden noch 6.739 Tonnen in unser Nachbarland ausgeführt, 2011 waren es 8.601 Tonnen. Neben Frankreich nehmen aber auch Italien (4.833 Tonnen) und Spanien (5.722 Tonnen) zunehmend Naturdärme ab. „In Süden Europas wird traditionell viel und gern Wurst gegessen. Die Vielfalt an Wurstspezialitäten ist sehr groß und die Mehrheit der Würste steckt in einer natürlichen Hülle – dafür werden beachtliche Mengen an Naturdärmen gebraucht, die auch importiert werden müssen“, so Heike Molkenthin.

Neben dem Handel mit den Ländern der Europäischen Union gestalteten sich auch die Geschäfte mit Drittländern im vergangenen Jahr sehr positiv. Insgesamt wurden 36.293 Tonnen Naturdarm exportiert, der Wert belief sich auf 113 Millionen Euro. Mit einem Volumen von über 25.000 Tonnen haben Hongkong und China einen großen Anteil daran. Lohn- und Veredelungsarbeit sind auf der einen Seite verantwortlich für die hohe Exportmenge, auf der anderen Seite steigt die Nachfrage nach Würsten – unter anderem bedingt durch die wachsende Bevölkerung – und Naturdarm kontinuierlich.

Der Warenverkehr nach Brasilien hat 2010 hingegen einen Dämpfer erfahren: Die exportierte Menge sank um 23 Prozent auf 4.191 Tonnen. Hierfür sind vor allem zwei Gründe ausschlaggebend: Zum einen ist die Selbstversorgung aufgrund der zunehmenden Schweineproduktion weitestgehend gesichert, zum anderen erwirbt Brasilien stetig mehr Därme direkt aus den Ursprungsländern.

Die Exportmenge, die nach Russland ging, nahm leicht um 1,3 Prozent ab. „Offensichtlich ist der Bedarf sehr groß und kann durch die Viehproduktion nicht gedeckt werden. Trotzdem fördert der russische Staat verstärkt inländisch hergestellte Waren und lässt Importe nur unter strikten Auflagen zu“, so Heike Molkenthin.

Aufwärtstrend beim Import
Im Gegensatz zum Vorjahr konnte der Naturdarm-Handel 2011 die Einfuhrmenge steigern. Importiert wurden 61.232 Tonnen Naturdärme (plus 5,8 Prozent), der Umsatz belief sich auf 458 Millionen Euro (plus 20,3 Prozent). Zwar nahm der Preis für Rohstoffe im letzten Jahr noch einmal zu, jedoch legte sich die Zurückhaltung der Käufer, zumal der Bedarf an Naturdärmen in 2011 wieder gestiegen ist. Gut ein Drittel der Ware stammt aus China. Die Niederlande sind der zweitwichtigste Handelspartner in Bezug auf den Import. Dahinter folgen Polen mit 4.325 Tonnen und Uruguay mit 1.301 Tonnen.

Unterschiedliche Preisentwicklungen bei Schafs-, Schweine- und Rinderdärmen
Die Preise für Rinder- und Schweinedärme blieben stabil, bei Saitlingen waren die Preise auf einem hohen Niveau. Die Mitglieder des Zentralverbandes Naturdarm beziehen ihre Schafsdärme vorwiegend aus Australien, Neuseeland und China sowie dem Mittleren Osten. Der Bestand an Schafen ist durch die sich verändernden klimatischen Bedingungen und damit einhergehenden Naturkatastrophen und Dürreperioden konstant rückläufig.

Laut Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hat sich der Preis für Lämmer in Deutschland allein im letzten Jahr um 13,1 Prozent erhöht. Im Ausland sind die Preissteigerungen sogar noch höher. Der Preis für Saitlinge ist nicht nur durch die hohe Nachfrage im Inland, sondern auch in Europa und weltweit zu begründen.

Zuversichtliche Prognose für 2012
Der Jahresanfang war laut Zentralverband Naturdarm für die Mitglieder sehr positiv. Das durchwachsene Wetter, das wenig Anlässe zum Grillen bot, machte der Branche aber im zweiten Quartal einen Strich durch die Rechnung. Auch die Fußballeuropameisterschaft hatte kaum positive Effekte. „Die Mitglieder sind dennoch optimistisch gestimmt, denn 2011 konnten wir in der zweiten Jahreshälfte auch noch einmal zulegen“, so Heike Molkenthin. „Besonders in den europäischen und asiatischen Ländern gibt es aufgrund des steigenden Bedarfs ein großes Potenzial. Wir sind davon überzeugt, dass der Naturdarm mit seiner Qualität und den unschlagbaren Produkteigenschaften weiter punkten wird. Für den Naturdarm spricht außerdem der hohe Beitrag zur Wertschöpfung. Durch die große Nachfrage bei den Kunden und die erleichterte Verarbeitung sind Würste in der natürlichen Hülle zu wichtigen Umsatzträgern vieler Betriebe geworden.“

Großer Appetit auf Wurst
Anlass für eine optimistische Prognose gibt der Fleisch- und Wurstkonsum. Laut der Nestlé-Studie 2011 gehören für 84 Prozent der Deutschen Fleisch und Wurst zu einer ausgewogenen Ernährung dazu. Dementsprechend hat sich die Verzehrmenge in den letzten Jahren auch kaum verändert. Großes Umsatzpotenzial für die Naturdarm-Branche bieten insbesondere zwei Ernährungstrends, bei denen Wurst eine große Rolle spielt: „Snacking“ und Grillen. So haben die Unregelmäßigkeit der Tagesverläufe und ein zumeist voller Terminkalender zur Folge, dass Hauptmahlzeiten teilweise durch Snacks substituiert werden. Eine Wiener „auf die Hand“ oder eine Thüringer im Brötchen in der Mittagspause sind daher gefragte Klassiker im Naturdarm für zwischendurch. Aber auch das Essen in Gemeinschaft steht hoch im Kurs, allen voran das Grillen. So grillen 90 Prozent der Deutschen sehr gern. Auch wenn es in diesem Jahr wenig Gelegenheiten dazu gab – wenn gegrillt wird, dann kommen bei 61 Prozent hauptsächlich Würstchen auf den Rost. Hier kann der Naturdarm ebenfalls auftrumpfen, denn nach einer Schätzung des Zentralverbandes Naturdarm stecken circa 60 bis 63 Prozent aller Würste in Deutschland in einer natürlichen Hülle. Bei Traditionswürsten und Spezialitäten sind es nahezu 100 Prozent.

Kreativer Umgang mit der Wurst
Seit 2006 engagiert sich der Zentralverband Naturdarm e.V. mit der Kampagne „Wurst hat Zukunft!“ für das Image der Wurst als modernes, hochwertiges Lebensmittel mit Kultpotenzial. Die Zusammenarbeit mit der jungen Zielgruppe hat daher schon Tradition. Im Rahmen eines Kreativwettbewerbs konnte der Verband 2010 Studenten der Hanseatischen Akademie für Design, Marketing und Management dazu inspirieren, Spots rund um das Thema Wurst und Naturdarm zu kreieren. In diesem Jahr sollten Motive für Edgar Cards gestaltet werden. Sechs Entwürfe kamen in die engere Auswahl und wurden auf dem Blog „Knackwurst – herzhafte Wissensbisse“ vorgestellt. Die User hatten gleichzeitig die Möglichkeit, über ihr Lieblingsmotiv abzustimmen. Insgesamt nahmen über 1.700 User an dem Voting teil. Die Karte mit den meisten Stimmen wurde inzwischen produziert und in der Hamburger Szenegastronomie verteilt. Heike Molkenthin: „Wir sind begeistert davon, wie kreativ die jungen Leute mit dem für sie recht ungewöhnlichen Thema umgegangen sind. Unser Motto ,Wurst hat Zukunft‘ wurde bei diesem Projekt einmal mehr erlebbar gemacht.“

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