Thüringer Rostbratwurst

Thueringer RostbratwurstSie ist nicht nur in Thüringen heiß begehrt: Was sind die Besonderheiten an der Thüringer Rostbratwurst, wie schmeckt sie am besten und wer darf sie herstellen – diese Fragen und weiteres Wissenswertes rund um die Thüringer werden hier beantwortet.

Historie

Die Thüringer Rostbratwurst hat eine jahrhundertelange Tradition. Bereits im siebten Jahrhundert sollen die slawischen Sorben, die damals das östliche Thüringen besiedelten, in Därme gefülltes Hackfleisch als handliche Wegzehrung stets bei sich geführt und bei der Rast die ganze Fleischrolle über das Feuer gehalten haben. Geboren war die Thüringer Bratwurst. Erste offizielle Erwähnung fand sie allerdings erst im 15. Jahrhundert.

Die Merkmale der Original Thüringer Rostbratwurst

Die Original Thüringer Rostbratwurst ist 15 bis 20 cm lang, etwa 15 mm dick und wiegt zwischen 100 und 150 g. Das erste vollständig erhaltene Rezept stammt aus der „Ordnung für das Fleischerhandwerk zu Weimar, Jena und Buttstädt“ aus dem Jahre 1613. Demnach soll die Bratwurst aus reinem Schweinefleisch hergestellt sein. Ein ganz besonderes Merkmal ist ihre feine Hülle, der Naturdarm. Der Naturdarm hat den Vorteil, dass er fett- und wasserdicht und gleichzeitig rauchdurchlässig ist. Dadurch kann sich das unverwechselbare Aroma der Thüringer Bratwurst beim Grillen optimal entfalten.

An der Rezeptur der Thüringer Bratwurst hat sich bis heute nichts Wesentliches geändert. Als Gewürze werden neben Salz und Pfeffer auch Kümmel, Majoran und Knoblauch verwendet, wobei die Gewürzmischungen je nach Region variieren. Im Norden Thüringens darf es etwas mehr Majoran und im Süden mehr Knoblauch sein. Im Osten wird mehr Kümmel verwendet.

Die Original Thüringer Rostbratwurst wird grundsätzlich frisch angeboten, also nicht gebrüht. Damit fällt sie unter die Hackfleisch-Verordnung (HFlV) und darf demnach nur am Tag der Herstellung sowie am darauf folgenden Tag verkauft werden.

Übrigens: Die Bezeichnung „Bratwurst“ leitet sich nicht – wie häufig vermutet – von der Zubereitungsart (dem Braten in einer Pfanne oder über einem Rost) ab, sondern von der Herstellungsart: „Brät“ ist die Füllung aus zerkleinertem Fleisch.

Thüringer Lebensstil: Zubereitung und Esskultur

Für den Thüringer ist die Rostbratwurst nicht nur ein Lebensmittel, sondern sie verkörpert auch ein Lebensgefühl, das sich vor allem durch die Art der Zubereitung und die Art des Verzehrs ausdrückt. Die echte Thüringer muss auf Holzkohle gegrillt werden, sonst ist es nicht „´ne Thüringer“. Sind die Enden der Wurst noch offen, werden sie vor der Zubereitung durch schwungvolles Drehen um sich selbst verschlossen. Anschließend werden die Würste für zehn Minuten in Wasser gelegt, damit der Naturdarm Feuchtigkeit aufnimmt und beim Grillen möglichst nicht zerplatzt. Aufgelegt wird bei vollkommen durchgeglühter Kohle quer zur Rostrichtung.

Heute wird die Original Thüringer im aufgeschnittenen Brötchen serviert, keinesfalls auf einem Pappteller oder mit Besteck. Als Würzzutat kommt ausschließlich Senf in Frage. Als Beilage eignen sich auch Kartoffelbrei oder Sauerkraut.

Wer darf die Thüringer Rostbratwurst herstellen?

Seit Januar 2004 ist es amtlich: Die Thüringer Rostbratwurst wurde in das europäische Schutzregister für Lebensmittel und Agrarerzeugnisse mit der Bezeichnung „geschützte geographische Angabe (g.g.A.)“ aufgenommen. Bei Produkten, die dieses Schutz-Label tragen, muss mindestens eine Verbindung zwischen dem namensgebenden Herkunftsgebiet und einer Produktionsstufe bestehen. Das bedeutet, dass die Produkte in dem begrenzten geographischen Gebiet erzeugt und/oder verarbeitet und/oder hergestellt werden.

Warum die Thüringer Rostbratwurst in das EU-Register eingetragen wurde, weiß Rainer Wagner, Vorstandsmitglied des Herkunftsverbands Thüringer und Eichsfelder Wurst und Fleisch e.V., zu beantworten: „Vor der Eintragung kamen 15.000 bis 18.000 Tonnen Thüringer Bratwürste und Bratwürste „nach Thüringer Art“ aus anderen Bundesländern. Durch die Eintragung der Thüringer Rostbratwurst als g.g.A. können wir auch gegen umschreibende Bezeichnungen vorgehen, was vorher nicht möglich war.“ Zudem profitieren auch die Erzeuger in der Region von der Eintragung der Thüringer Rostbratwurst als g.g.A.: „51 Prozent des Fleisches für die Thüringer Rostbratwurst stammen aus Thüringer Schlacht- und Zerlegungsbetrieben. Damit bleibt ein großer Teil der Wertschöpfung hier in der Region. Darüber hinaus garantieren die kurzen Transportwege, dass sich die als g.g.A. gekennzeichnete Bratwurst durch eine besondere Frische auszeichnet“, betont Rainer Wagner.

Die Original Thüringer rund um den Globus

Die Thüringer Rostbratwurst ist nicht nur in ihrer Heimat Thüringen erhältlich. Die Spezialität im Naturdarm ist der Exportschlager des Bundeslandes und wird nicht nur in das gesamte Bundesgebiet, sondern in die ganze Welt exportiert. Neben den Amerikanern lassen sich zum Beispiel auch Genießer in Dubai die Köstlichkeit schmecken. Inzwischen wird sogar in China und Vietnam die Lieblingswurst der Deutschen verkauft. Das Ziel: „Für jeden Chinesen eine Thüringer Rostbratwurst!“