Wurst international

In keinem Land der Welt gibt es so viele Wurstsorten wie in Deutschland: Der Genießer kann unter rund 1.500 verschiedene Rezepturen sein ganz besonderes Geschmackserlebnis finden. Ob Dauerwurst, Streichwurst oder Sülze: Gewürzmischungen, das Räuchern mit einer speziellen Holzart oder unterschiedliche Herstellungsverfahren geben jeder Wurstsorte ihren einmaligen Reiz. Dabei kann weder die Münchner Weißwurst, noch der kanzlergeehrte Saumagen auf den Naturdarm verzichten. Doch wie sieht es in anderen Nationalitäten aus? Wir nehmen Sie mit auf eine kulinarische Reise.

USA

Viele deutsche Einwanderer ließen sich mit den großen Einwanderungswellen im 17. bis 19. Jahrhundert in den USA nieder. Mit ihnen kam auch die Leberwurst in die Staaten, wo sie sich schnell weiter verbreitete. „Thüringer Leberwurst“ oder „Braunschweiger“ sind den Amerikanern daher nicht unbekannt. Und mit der Zeit wurde aus der uns bekannten Leberwurst die amerikanische Bezeichnung „Liverwurst“. Die Wurstspezialität gibt es in unzähligen Varianten und wird meist aus Schlachterzeugnissen vom Schwein oder Kalb hergestellt und mit verschiedensten Gewürzen veredelt.

Südafrika

„Boerewors“ heißt übersetzt Bauernwurst und ist eine Spezialität, die zu einer Schnecke aufgerollt besonders gerne gegrillt verspeist wird. Die Wurst besteht in ihrer klassischen Form aus Rind-, Schweine- und Lammfleisch. Exotischere Varianten gibt es mit Antilope, Strauß oder Zebra. Mit Gewürzen wie Thymian, Koriander, Muskat und Essig verfeinert, wird die Wurst im Naturdarm zu einer richtigen Delikatesse.
Mutige Probanden testen auch die „Chakalaka Boerewors“. Hier wird die Wurst zu höllisch scharfem Gemüse gereicht. Harmloser ist die Kombination mit „Mielie Pap“ – einem Getreidebrei aus Maismehl. Der aktuelle Weltrekord für die längste Boerewors wurde übrigens im Mai 2014 in Südafrika aufgestellt. Mit 1557,15 m Länge ein verdienter Eintrag im Guinnes-Buch der Rekorde, wie wir finden!

China

Wer zu Besuch in China ist und in eine „Lap Cheong“ beißt, wird sich wundern. Die leuchtend rote Wurst überrascht – im Gegensatz zu ihren westlichen Verwandten – mit einem süßlichen Geschmack. Statt mit Salz wird sie nämlich mit Zucker haltbar gemacht. Auch die Gewürze unterscheiden sich: Die Wurst im Schweinedarm bekommt durch Reiswein und Sojasoße ihre asiatische Note. Die Chinesen essen Lap Cheong nur selten pur. Häufig wird sie als Fleischeinlage zu gebratenem Reis, in Suppen oder Omelettes verwendet.

Türkei

Sucuk ist eine kräftig-würzige Rohwurst im Kranzdarm, die mittlerweile auch in Deutschland den Weg in viele Supermarktregale gefunden hat. Typisch für die Wurst aus Rind-, Kalb- und Lammfleisch ist das markante Knoblaucharoma. Dazu kommen verschiedene Gewürze wie Pfeffer, Piment und Kreuzkümmel, die der Spezialität das gewisse Etwas verleihen. Häufig wird Sucuk zum türkischen Frühstück gereicht. In der Pfanne gebraten mit Spiegelei schmeckt die Wurst besonders lecker.

Schweden

Auf Schwedisch heißt Wurst korv. Die Falukorv kennt in Schweden jedes Kind, sie wird als typisches Fastfood-Gericht gegessen, so wie bei uns die Currywurst. Die Heißrauchwurst im Mittel- oder Buttdarm vom Rind ist in Schweden sehr beliebt. Der Überlieferung nach wurde die Spezialität im 16. oder 17. Jahrhundert von deutschen Arbeitern im Bergwerk Falun erfunden. Die weiche Konsistenz der Wurst erinnert an Leberkäse und wird auch heute noch gerne zu Kartoffelbrei oder Makkaroni gegessen. Stolze 30 000 Tonnen „Falukorv“ verzehren die Schweden jedes Jahr.

 Österreich

Die Österreicher sind ebenfalls für ihre vielen Wurstschmankerl bekannt: Burenwurst, Debrecziner, Bosner, Krainer oder Cabanossi sind Leckerbissen der österreichischen „Wurstologie“. Das Wiener Würstchen heißt jedoch kurioserweise in der Alpennation „Frankfurter Würstel“. 1805 erfand Metzger Johann Georg Lahner in Wien eine neue Wurstkreation. Da er sein Handwerk in Frankfurt gelernt hatte, nannte er diese Wurst „Wiener Frankfurter“ – allerdings ging das „Wiener“ in die Welt hinaus und das „Frankfurter“ blieb in der Donaumetropole.

Polen

In Polen ist die typische Krakauer eine kurze und 4-5 cm dicke Trocken- bzw. Räucherwurst, die als Aufschnitt zum Frühstück gegessen wird. Sie wird aus 80% magerem Schweinefleisch und jeweils 10% Rind und Speck hergestellt, dazu kommen verschiedene Gewürze wie Pfeffer, Kümmel, Piment, Koriander und Knoblauch. In Österreich und der Schweiz nennt man die Krakauer Brühwurst. In Deutschland nennt man sie zwar Krakauer, es wird aber etwas anderes unter der Wurst als in Polen, Österreich oder der Schweiz verstanden. Das allein ist ja eigentlich schon verwirrend genug, aber in Deutschland kennen wir die Krakauer als 2 cm dicke und lange Grill- oder Bratwurst.

Frankreich

In Frankreich erfreut sich die Blutwurst – auf Französisch „Boudin“ – besonderer Beliebtheit. Sie ist mit ihren Basiszutaten Fleisch, Fett, Blut und Innereien wie Herz oder Zunge etwas für Liebhaber. Ihre charakteristische Form erhalten die Blutwürste durch die Verwendung von Schweinekranzdärmen, die den herzhaften Geschmack unterstreichen.

Italien

Schon bei der Aussprache des exotischen Namens „Salsiccia“ bekommen wir Deutschen einen Knoten in der Zunge. Auf den ersten Blick sieht die italienische Wurst, wie eine deutsche grobe Bratwurst aus. Geschmacklich ist sie aber alles andere als eine normale Bratwurst. Sie wird entweder mit Rotwein oder mit Weißwein gemacht und mit verschiedenen Gewürzen wie Knoblauch, Pfeffer, Fenchel, Koriander, Paprika, Muskatnuss und Zucker gewürzt. Für die Salsiccia wird ein Naturdarm vom Schwein oder vom Hammel benutzt, der mit gehacktem und gesalzenem Fleisch gefüllt wird.
Die Salsiccia kann wie eine Bratwurst sowohl in der Pfanne oder auf dem Grillrost zubereitet werden. Viele Italiener verfeinern mit der in Scheiben geschnittenen Salsiccia aber auch ihr Risotto oder ihre Pasta.

Spanien

Längst auch schon in Deutschland sehr beliebt: Die Chorizo. Das ist eine feste, mit Paprika und Knoblauch gewürzte Rohwurst. In Spanien wird Chorizo gegrillt und gebraten. Bei letzterem entfaltet sich das kräftige Aroma der Chorizo am besten. Die beliebteste Art in Spanien die Chorizo zu essen ist die Tapa. Sie wird aber auch in Eintöpfen gekocht.Woher genau das Wort Chorizo kommt ist nicht bekannt, aber im spanischen Sprachgebrauch heißt es so etwas wie kleiner Dieb oder Betrüger.
Die Spanier sind echte Chorizo-Fans: Jährlich werden in Spanien ca. 64.000 Tonnen der Wurst hergestellt. Sie besteht aus kleingehacktem Fleisch und Speck, diese Masse wird dann mit Salz, viel spanischer Paprika und Knoblauch gewürzt. Durch die verwendete Paprikasorte kann man die Wurst von einer leichten Schärfe bis zu einer extremen Schärfe würzen. Die komplette Masse kommt dann in einen Naturdarm und wird in speziellen Trockenräumen bei fünf bis zehn Grad an der Luft getrocknet. Diese Reifung dauert circa vier bis sechs Wochen, in dieser Zeit wird sie fester und verliert während der Gärung ihren säuerlichen Geschmack.